Junge Sänger blühen auf

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VON KATRIN LÖWE, 24.04.2018
 
 
Die Querfurter Musikschule unterrichtet auch Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigung. Gefördert werden sie über Patenschaften von Ärzten.

Vereinsvorsitzende Johanna Zanke lauscht unter dem großen Notenständer der Melodie.  

QUERFURT/MZ. Donnerstags, berichtet Nancy Weste aus Querfurt, ist ihr Sohn gut gelaunt, wenn sie ihn aus der Kindertagesstätte abholt. Dann ist Musikschule. Und auch insgesamt findet sie heute: "Er ist fröhlicher." Bastian ist sechs Jahre alt, ein gesundes Kind, aber in seiner Entwicklung verzögert. Er fing erst mit zweieinhalb Jahren an zu laufen. "Das Sprechen kam auch später." Letzteres bereitet dem Jugen noch Probleme, da sei er auf dem Stand eines Vierjährigen, so die 29-Jährige. Was sie inzwischen allerdings bemerkt hat: Singen klappt bei ihrem Sohn besser als Sprechen.

Christina Winkler bei der musikalischen Früherziehung in Querfurt - der sechsjährige Bastian Weste ist einer ihrer Schützlinge. (BILD: PETER WÖLK)
 

Unterstützung seit den 90ern

Bastian Weste ist einer von 31 Musikschülern mit Beeinträchtigungen, die derzeit an der Burgmusikschule Querfurt gefördert werden. Möglich machen das seit Jahren Ärzte und der Lions Club, die die jährliche Gebühr von 144 Euro pro Kind übernehmen, sagt Johanna Zanke, Vorsitzende des seit 1998 bestehenden Fördervereins der Musikschule. Allein 25 Mediziner konnten dafür gewonnen werden. "Ich weiß nicht, ob es so etwas woanders noch gibt", so Zanke. Musikschulunterricht für Behinderte gebe es in Querfurt seit 1995, die Förderung wurde lange formal über Musikschule und Kreis abgerechnet, läuft seit kurzem über den Verein. "Wir haben gesehen, welchen großen Wert die Ausbildung hat, dass sie echt ein Stück Lebensqualität ist", so Zanke.

Einmal pro Woche erhalten die Musikschulschützlinge ab dem Kita-Alter Gruppenunterricht. Bei Bastian ist es musikalische Früherziehung, zu der Musikschullehrerin Christina Winkler jeden Donnerstag in den Kindergarten "Buratino" fährt. Dann werde etwa gesungen und getanzt, kommen kleine Instrumente wie Triangel, Trommel oder Klanghölzer zum Einsatz, so Winkler. Bastian hat sie vor knapp zwei Jahren zum ersten Mal getroffen. Er sei sehr scheu gewesen, habe sich im Hintergrund gehalten, erzählt die Pädagogin. Heute sei er schon selbstbewusster, weiche auch nicht aus, wenn er gefordert wird.

"Es gibt kaum ein Kind, das nicht auf Musik anspricht", sagt unterdessen Zanke. Die Musik biete Kindern das Gefühl, eine Leistung zu erbringen, Erfolgserlebnisse zu haben, aber auch soziale Kompetenzen zu erwerben. Selbst geistig Behinderte könnten musikalisch sein. Einmal im Jahr gibt es ein Konzert mit behinderten und nicht behinderten Musikschülern. Es sei enorm, wie die jungen Musiker dann aufblühen, sagt die Vereinschefin. Für das kommende Jahr werde ein eigenes Neujahrskonzert für die Mediziner geplant, die die Patenschaft übernehmen, so Zanke.

Erleichterung für Mutter
Nancy Weste ist froh über das Angebot der musikalischen Förderung für ihren Sohn. Vor allem Singen und Tanzen mache ihm Spaß. Und die Übernahme der Kosten sei durchaus eine Erleichtung für sie, sagt die alleinerziehende Geringverdienerin. Wenn Bastian in die Schule kommt, solle es weitergehen mit der Musik - wie, das wird noch geklärt.

 

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