Ehrgeizig und überzeugend, motivierend und begeisternd

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VON REGINA RETZLAF, 18.04.2012
 
 
Johanna Zanke, die Leiterin der Querfurter Musikschule, feiert am Donnerstag ihren 60. Geburtstag. Ab 1. Mai folgt ihr (Un)Ruhestand. Dann wird sie nur noch als Honorarlehrer ins Haus kommen.

120418-johannazanke   QUERFURT/MZ. Am Mittwoch vor 60 Jahren wurde in die bäuerliche Familie Ulrich in Barnstädt ein Mädchen geboren. Die Eltern nannten es Johanna. Und weil die Familie sehr musikalisch war, schickte sie die kleine Johanna in die Musikschule nach Querfurt, wo sie Klavier- und Gesangsunterricht bekam. Damals ahnte sie noch nicht, dass diese Schule einmal ihr Lebenswerk würde.

Das liebt Johanna Zanke - inmitten ihrer Chorkinder hat sie sehr viel Spaß. (FOTO: PETER WÖLK)
 

Und weil sie so musikalisch und begabt war, durfte Johanna Ulrich 1966 zur Aufnahmeprüfung der Spezialschule für Musik nach Wernigerode. "Von den 100 Bewerbern wurden 25 genommen. Und ich kleines Häschen vom Lande war dabei", erinnert sie sich heute. Und so kam es, dass sie ihr Abitur mit Spezialausbildung Musik in Wernigerode machte. Dort sang sie im bekannten Chor, machte eine Ausbildung zum Chorleiter und begann dann an der MLU in Halle ein Studium. Heute würde man das Studium Musik und Deutsch auf Lehramt nennen. Damals studierte sie Pädagogik und schloss als Lehrerin für Musik und Deutsch ab.

Als solche arbeitete sie schließlich sechs Jahre in Stedten und Barnstädt. Sie heiratete, heißt seitdem Johanna Zanke, bekam die Kinder Kati und Andreas. "1981 wechselte ich zur Musikschule Querfurt. Das war nicht einfach, aber es hat geklappt, auch Dank Willi Lautenschläger, dem damaligen Musikschulleiter. Dafür habe ich auch noch ein zusätzliches Klavierpädagogikstudium in Weimar absolviert ", erzählt Johanna Zanke. Und sie erinnert sich an die katastrophalen Zustände, unter denen gearbeitet werden musste. Im "Goldenen Stern" gab es zwei nasse und kalte Räume für die Verwaltung. "Die Geigenkästen waren zum Teil innen verschimmelt, unterrichtet wurde in den Schulen des Kreises Querfurt."

Kein Wunder, dass Johanna Zanke in der Wendezeit zu den Montagsdemonstranten gehörte, die forderten "Stasi-Gebäude für Musikschul-Leute". Und tatsächlich zog die Musikschule am 8. März 1990 in das Haus, in dem bis zur Wende die Stasi residierte. Dort wurde sie auch 1994 zur Leiterin der musikalischen Bildungseinrichtung. "Auch Dank unseres heutigen Landrates haben wir aus diesem Haus etwas gemacht. Einen Musentempel sozusagen. Die Zahl der Schüler wuchs von Jahr zu Jahr. Heute sind es um die 700 und dazu kommen 200 noch in Schulprojekten", sagt Johanna Zanke stolz. Höhepunkt allen Strebens der engagierten Schulleiterin war schließlich der Umzug der Schule auf die Burg im vergangenen Jahr. "Davon hätte ich nie zu träumen gewagt", sagt sie. Es sei einfach ein Glückstreffer und eine mutige Entscheidung des Landkreises gewesen, so viel Geld aus dem Konjunkturprogramm zu verwenden, um das neue Domizil herzurichten. Hier bieten sich beste Bedingungen auch für die Chorarbeit, die Johanna Zanke so sehr am Herzen liegt.

Dabei hat ihr die Arbeit als Leiterin auch negative Seiten eröffnet. Sie habe das eigene Musizieren vernachlässigt. Ihre große Liebe, der musikalische Humor, den sie beim Barnstädter Faschingsclub auslebte, blieb auf der Strecke ebenso wie ihre Ehe. "Aber ich würde mein Leben immer wieder so leben, ich könnte nicht anders", sagt Johanna Zanke, von der ihre langjährige Mitarbeiterin Heike Tambach sagt: "Sie ist ehrgeizig und überzeugend. Sie motiviert und unterstützt, findet bei jedem, ob Schüler oder Lehrer, den richtigen Ansatz und ist mit Begeisterung bei der Sache."

Doch ab 1. Mai wird Johanna Zanke nur noch als Honorarlehrer ins Haus kommen. Dann ist ihre Altersteilzeit beendet, und sie geht in den (Un)Ruhestand. Mit einem weinenden und einem lachenden Auge und der Gewissheit, der Musikschule Querfurt den prägenden Stempel aufgedrückt zu haben. Herzlichen Glückwunsch zum 60., liebe Johanna Zanke.

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