Ein Kessel Buntes

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VON DIRK SKRZYPCZAK, 18.09.2011
 
Klotzen statt kleckern: Festbesucher sind am Sonnabend in Querfurt hin- und hergerissen. Der Bauernmarkt lockt in die Stadt. Dort wird zudem das Klosterstraßenfest gefeiert. Am Haus der Vereine knallen derweil die Sektkorken zum 15. Geburtstag des Fanfarenzuges.

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Zahlreiche Prinzessinnen und Repräsentantinnen aus der Region waren in Querfurt dabei - von Weinhoheiten bis zur Kräuterhexe. (FOTO: WÖLK)
 
QUERFURT/MZ. Klotzen statt kleckern: Festbesucher sind am Sonnabend in Querfurt hin- und hergerissen. Der Bauernmarkt lockt in die Stadt. Dort wird zudem das Klosterstraßenfest gefeiert. Am Haus der Vereine knallen derweil die Sektkorken zum 15. Geburtstag des Fanfarenzuges - der sich sieben Ensembles aus der Region eingeladen hat. Und über allem strahlt die Kreismusikschule. Vor 50 Jahren wurde sie gegründet und bekommt zum Jubiläum das wohl schönste Geschenk, ihr neues Domizil auf der Burg. So verwundert es nicht, dass die Innenstadt rappelvoll ist - trotz Party-Schwergewichten im Umland wie der Eisleber Wiese.

"Die Querfurter lassen sich echt etwas einfallen. Da fühlt man sich schon wohl", sagt Silke Löschau aus Nemsdorf. Lutz Ulrich, Chef des örtlichen Gewerbevereins, sitzt selbst bei den Quernetaler Blasmusikanten am Schlagzeug. Mit Genugtuung registriert er das Interesse an den Festivitäten. "Unser Erfolg ist das Konzept. Das wird nicht verwässert. Zum Bauernmarkt etwa laden wir uns nur Händler aus Querfurt oder dem Umland ein." Viel wichtiger: die Querfurter identifizieren sich mit ihrer Stadt. So öffnen immer mehr Privatpersonen ihre Höfe zum Fest. Bürgermeister Peter Kunert lobt den Gemeinsinn und vor allem die Vereine. "Die arbeiten nämlich zusammen statt gegeneinander."

Der sonnige Tag und der Trubel in den Straßen und Gassen sind der passende Rahmen für die Kreismusikschule. Auf der Bühne vor dem Rathaus präsentiert sich eine Gruppe nach der anderen. "Die Burg bietet schon ein tolles Ambiente. Jahrelang haben wir aus den Fenstern auf den Bauhof geschaut. Jetzt sind wir Teil der mittelalterlichen Anlage", schwärmt Trompetenlehrer Josef Simeth. Der gebürtige Bayer kennt viele Musikschulen. "Die neue Schule in Querfurt muss sich nicht verstecken. Die Bedingungen sind schon super", meint er - und bekommt später aus Hunderten Kehlen am Rathaus ein Ständchen gesungen. Simeth wird 27 und ist gerührt. "Vielleicht ziehe ich ja hierher. Ich mag die Menschen." Noch wohnt er in Dresden.

Die Musikschüler, 700 werden mittlerweile in Querfurt an so ziemlich jedem Instrument ausgebildet, haben sich bunte Luftballons an den Armen festgebunden. Im Burghof dürfen die Ballone in den Himmel steigen. Landrat Frank Bannert (CDU) ist angesichts der Begeisterungsfähigkeit beeindruckt. "Querfurt ist die musikalischste Stadt in Sachsen-Anhalt", sagt er. So etwas wollen die Leute natürlich hören.

Unterdessen geben sich Besucher im zur Musikschule umgebauten Pächterhaus die Klinke in die Hand. Drei Millionen Euro sind in das Gebäude geflossen. Entstanden sind unter anderem 20 Unterrichtsräume und ein klimatisierter Konzertsaal mit Platz für 115 Gäste. "Ich finde des richtig, dass die Kultur gefördert wird. Die Schule ist ein Prachtstück geworden", meint Volker Rühlmann aus Ziegelroda. Der 63-Jährige ist zwischen 1964 und 1969 selbst einmal Musikschüler in Querfurt gewesen. Noch heute spielt er Jagdhorn.

In der Stadt geht es derweil am Nachmittag - bis auf das Spektakel in der Klosterstraße - wieder etwas ruhiger zu. Die Händler sind mit ihren Gefühlen im Zwiespalt. Zwar waren viele Menschen auf den Beinen, "aber gekauft wurde eher weniger", sagt Rolf Wintermann, Wein- und Spirituosenhändler aus Dehlitz bei Weißenfels. Im nächsten Jahr soll der Querfurter Bauernmarkt übrigens mit dem Tag des offenen Hofes gekoppelt werden. Bei dieser Leistungsschau präsentiert sich die Agrarwirtschaft aus dem Saalekreis und den Burgenland. "Das wird eine Herausforderung, die wir meistern", freuen sich Bürgermeister und Landrat. Schließlich gehört zu so einer Messe auch eine gesunde Portion Ehrgeiz.
 
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Zum 50. Geburtstag der Kreismusikschule Querfurt und zum Einzug in die neuen Räumlichkeiten der Bildungsstätte auf der Burg zeigten Musikschüler, wie hier die achtjährige Lilly Marie Zilling, ihr Können. (FOTO: WÖLK)
 
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Querfurts Bürgermeister Peter Kunert (FDP) gratulierte Musiklehrer Josef Simeth zum 27. Geburtstag. Der Bayer fühlt sich in Querfurt sehr wohl. (FOTO: WÖLK)
 
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Die Musikschule Querfurt kümmert sich auch um Menschen mit einem Handicap, also körperlichen wie geistigen Behinderungen. Auf der Bühne vor dem Rathaus traten sie auf und bekamen viel Applaus. (FOTO: WÖLK)
 
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Kreismusikschule Querfurt: Zum Profil gehört auch die musikalische Früherziehung, die im Kindergarten beginnt. (FOTO: WÖLK)
 
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50 Jahre Musikschule: Der 71-jährige Eberhard Reißmann (links) ist Schlagzeuger mit Herz und Blut und gehört zu den 33 Pädagogen der Kreismusikschule in Querfurt. (FOTO: WÖLK)
 
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50 Jahre Musikschule und Einzug auf die Burg: Mit einem Festumzug wurde das Großereignis gefeiert. (FOTO: WÖLK)
 
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50 Jahre Musikschule Querfurt: Auch die jungen Violinen-Künstler(innen) gratulierten öffentlich mit einem kleinen Spiel zum Jubiläum. (FOTO: WÖLK)


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