Klingende „Riesen“ vor der Musikschule

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VON REGINA RETZLAFF, 20.02.2014
 
 
Vor dem Gebäude der Musikschule auf Burg Querfurt ist ein Klanggarten entstanden. Drei musizierende Notenständer ziehen die Blicke der Spaziergänger auf sich, vor allem aufgrund ihrer Größe.

Vereinsvorsitzende Johanna Zanke lauscht unter dem großen Notenständer der Melodie.   QUERFURT/MZ. Schwanger mit dem Gedanken, ein überdimensionales Musikinstrument im Freien zu installieren, ist Johanna Zanke schon seit dem Einzug der Musikschule in ihr Domizil auf Burg Querfurt gegangen. Damals war sie noch die Schulleiterin und in der Sponsorenkassette lagen da auch schon einige Euro, die die am Umbau beteiligten Planungsbüros extra für die Installation eines „Klanggartens“ hatten springen lassen. Das war im Sommer 2011.

Inzwischen ist Johanna Zanke im (Un)Ruhestand und Chefin des Fördervereins der Musikschule. „Wir haben viele Gedanken und Ideen entwickelt, wie wir das umsetzen könnten. Wir dachten an ein Xylophon an der Außenwand oder an eine im Boden eingelassene Orgel. Aber so etwas hätte unser Budget gesprengt“, erzählt Johanna Zanke. Und dann hatte die Querfurter Leiterin der Selbsthilfegruppe des Blindenverbandes, Marlies Reinhardt, die zündende Idee. Sie erzählte von ihrem Besuch auf der Buga in Magdeburg und den großen Notenständern, die dort aufgestellt waren und leise Melodien spielten. Sie war davon so begeistert und steckte Johanna Zanke und ihren Förderverein an.
Vereinsvorsitzende Johanna Zanke lauscht unter dem großen Notenständer der Melodie. (BILD: PETER WÖLK)
 

Die Vereinsvorsitzende suchte nach dem Künstler und fand ihn schließlich in Dresden. Ingo Güttler hatte die Notenständer in Magdeburg entworfen und installiert. Er machte einen Kostenvoranschlag. „Der überstieg unser Budget, aber ich machte mich auf die Suche nach Sponsoren. Wir stellten Anträge beim Bauamt des Kreises und beim Landesdenkmalamt, bekamen schließlich die Genehmigung und am Ende auch das Okay des Landrates.“ Drei etwa vier Meter hohe Notenständer dürfen auf der Freifläche vor dem Musikschulgebäude errichtet werden, hieß es. Die dürfen nicht hochglänzend, sondern müssen matt sein und abbaubar, wenn Events oder auch Filmdrehs es erfordern.

Das alles vermittelte man dem Künstler Güttler, der Bauunternehmung Schmidt aus Barnstädt, die die Tiefbau- und Betonarbeiten ausführte, dem K§S Apparatebau Querfurt, der die Edelstahl- und Schlosserarbeiten übernahm, und der Elektrofirma Bohndorf aus Barnstädt, welche die Solartechnik installierte. „Alle haben einen Großteil ihrer Arbeit gesponsert“, sagt Johanna Zanke noch immer dankbar für das Engagement.

Und am 1. Dezember 2013 standen die drei überdimensionalen Notenständer schließlich an ihrem vorgesehenen Ort. Der Musikschullehrer Andreas Kaess zeichnet verantwortlich für die Klang-Kreationen, die nun die Burg- und Musikschulbesucher erfreuen. Die Melodien erklingen spontan, denn die Technik der Notenständer reagiert auf Sonnenlicht. „Mir schwebt vor, weitere Melodien einzuspielen, damit man zum Beispiel während Burgführungen mittelalterliche Klänge erleben kann“, blickt Johanna Zanke in die Zukunft des Klanggartens, den sie und ihr Verein als Brücke zwischen Musikschule und mittelalterlicher Burg sehen möchten.

Übrigens: Den ersten großen Wintersturm haben die drei „Riesen“, deren Höhe man auch verstellen kann, unbeschadet überstanden. Alles hielt fest.
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