«Ich konnte bis jetzt den Schalter noch nicht umlegen»

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VON REGINA RETZLAFF, 13.01.2011
 
 
Wilfried Lautenschläger beendet seine Tätigkeit als hauptamtlicher Musikschullehrer. Er konnte sich noch nicht mit dem Gedanken anfreunden, nun etwas kürzer treten zu dürfen.

Ist seit dem 12. Dezember 2010 eigentlich Rentner: das Musikschulurgestein Wilfried Lautenschläger.   QUERFURT/MZ. "Ich konnte bis jetzt den Schalter noch nicht umlegen." Wilfried Lautenschläger meint damit, dass er sich noch nicht mit dem Gedanken anfreunden konnte, nun etwas kürzer treten zu dürfen, denn immerhin hat er am 12. Dezember vorigen Jahres das Rentenalter erreicht.
Ist seit dem 12. Dezember 2010 eigentlich Rentner: das Musikschulurgestein Wilfried Lautenschläger. (FOTO: P. WÖLK)
 

"Das war uns allen auch ziemlich klar", schmunzelt Johanna Zanke, die Leiterin der Querfurter Außenstelle der Kreismusikschule, der Lautenschläger nun seit 1984 die Treue hält. Bis jetzt als hauptamtlicher Musiklehrer, und nun als Honorarlehrer. "Ohne seine Musik kann er doch gar nicht leben", sagt Zanke. Und deshalb habe man ihm auch die Honorar-Stelle angeboten, lasse ihn in seinem angestammten Zimmer unterrichten und auch das Blasorchester ist weiterhin sein Betätigungsfeld. Und so kommt der jung gebliebene Rentner Wilfried Lautenschläger auch noch jeden Tag in seine Musikschule, freut sich schon diebisch auf den Umzug ins neue Domizil im kommenden Sommer. Er unterrichtet Keyboard und Theorie, kümmert sich um sein Blasorchester und brennt für ein Landesprogramm, das ihn seit Jahren an zwei Tagen der Woche in die Grundschulen Querfurt und Barnstädt führt. Das Projekt, das er hier durchführt, heißt "musisch-ästhetische Bildung".

Begonnen hat alles nach seinem Studium in Weimar, wo er zum Musiklehrer ausgebildet wurde. 1968 wurde er Lehrer in Querfurt. Zuerst unterrichtete er an der Philipp-Müller-Schule, dann an der EOS, dem heutigen Gymnasium. Im Jahre 1984 löste er seinen Vater als Leiter der Musikschule ab. Im Jahre 1993 trat er dann in die "zweite Reihe". Er habe sein Hobby zum Beruf gemacht. "Was kann es denn Besseres geben?" Für Lautenschläger sicherlich nichts. Denn für ihn gilt der Satz Friedrich Nietzsches, der da sagte: "Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum."

Das weiß auch seine Ehefrau Edeltraut, die ihm seit Jahrzehnten den Rücken frei hält, die seine Söhne Chris und Sören oftmals allein groß zog, weil Wilfried mit der Musik befasst war. Manchmal war er dabei sogar im Fernsehen. Bei der Sendung "Herzklopfen kostenlos" mit Heinz Quermann etwa. "Meiner Frau bin ich sehr dankbar, dass sie es mir immer so leicht gemacht hat", sagt er. Eine langjährige Wegbegleiterin sei auch die Zahnchirurgin Dr. Andrea Ernst. Sie ist eine ehemalige Schülerin, hat heute in Halle eine Praxis und sorgt dafür, dass Lautenschläger immer problemlos seine Trompete spielen kann. "Ein gesundes Gebiss ist für uns Blasmusiker nämlich sehr wichtig", unterstreicht er.

Am Sonnabend übrigens ist Wilfried Lautenschläger wieder im Einsatz. Mit seinem Blasorchester gestaltet er das nun schon traditionelle Neujahrskonzert der Musikschule im Schützenhaus. Wer ihn dort erleben will, der sollte rechtzeitig da sein, denn es gibt Karten ab 14 Uhr nur an der Tageskasse.

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