Schwerer Abschied nach 37 Jahren im geliebten Beruf

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VON REGINA RETZLAF, 01.06.2010
 
 
Die Hallenserin Solveig Hoenke unterrichtete an der Musikschule in Querfurt seit 1973. Nun geht sie in den verdienten Ruhestand.

Solveig Hoenke am Flügel in der Querfurter Außenstelle der Kreismusikschule.   QUERFURT/MZ. Wenn Solveig Hoenke sich noch einmal für Beruf und Arbeitsplatz entscheiden müsste, würde sie es wieder so und nicht anders machen. Sie würde wieder Pädagogik und Musik studieren und sich Tag für Tag von ihrem Wohn- und Geburtsort Halle auf den Weg nach Querfurt machen, um an der Musikschule Klavier zu unterrichten. So wie sie es nun seit 37 Jahren tut.
Solveig Hoenke am Flügel in der Querfurter Außenstelle der Kreismusikschule. (FOTO: PETER WÖLK)
 

Doch jetzt geht die 65-jährige Musikpädagogin in den Ruhestand. Sie tut das mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Zu gerne hat sie mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet, hat ihr einstiges Hobby, die Musik nämlich, zum Beruf gemacht. Sie hat zu Beginn ihrer beruflichen Laufbahn mitgeholfen, die musikalische Früherziehung mit dem damaligen Leiter der Schule, Willi Lautenschläger, in die Kindergärten zu bringen.

"Wir waren damals sogar Vorreiter für die ganze DDR", erinnert sie sich. Sie hat hunderte Schüler begleitet, hat ihnen beigebracht, wie das Klavier gespielt wird. Aber auch Gitarrenunterricht hat sie gegeben. Als sie in Querfurt anfing, war die Musikschule noch im "Stern" untergebracht. Die Winter waren kalt. Unterricht bei fünf Grad war keine Seltenheit. Eine Toilette gab es nur, wenn die Gaststätte offen hatte. Dann zog auch Solveig Hoenke mit zum Stasi-Gebäude, das gleich nach der Wende neue Musikschule wurde.

Eigentlich ist ihr Beruf nicht sehr familienfreundlich. Musikunterricht wird nachmittags erteilt. "Als ich noch mit Bus und Bahn gefahren bin, musste ich oft sehen, dass ich den letzten Bus bekommen habe. Und weil wir auch an den Wochenenden im Einsatz waren, kümmerte sich meine Mutter um unsere zwei Kinder", erzählt sie, die verheiratet ist mit Ernst-Günther Hoenke, dem ehemaligen Leiter der Deko-Werkstatt des Theaters in Halle, der sich seit Jahren ehrenamtlich um die Kulissen für die nun schon traditionellen Weihnachtskonzerte der Musikschule kümmert. "Er ist mir eine große Hilfe. Ehe ich mittags zur Arbeit fahre, übe ich Klavier spielen. Dann kocht er, damit ich noch essen kann, ehe es losgeht", schildert sie.

Nach der Wende hat sich Solveig Hoenke noch einmal auf die Schulbank gesetzt. Auf die Fahrschulbank. "Und das mit Ende 40. Aber ohne das Auto hätte ich nicht weiter hier arbeiten können. Und das wollte ich auf keinen Fall aufgeben. Dazu sind wir ja auch viel zu Auftritten unterwegs, fahren zu Wettbewerben und anderen Veranstaltungen. Deshalb machte ich den Führerschein", sagt sie, die wie alle Musikschullehrer berufstechnisch Angestellte im öffentlichen Dienst ist. "Wir werden einfach nicht als Lehrer anerkannt. Aber das ist mir egal. Ich liebe das, was ich bisher gemacht habe. Und nun freue ich mich auch darauf, mehr Zeit für Ehemann und Enkel zu haben." Dennoch sei sie schon auch traurig, dass dieser Lebensabschnitt zu Ende geht. Und auch den Umzug der Schule 2011 in das neue Domizil, das auf Burg Querfurt entsteht, hätte sie gerne mitgemacht. Doch Halle ist ja nicht aus der Welt. "Ich werde sicherlich öfter mal vorbeischauen", verspricht sie.

Am Freitagabend zum Schuljahresabschlusskonzert im Querfurter Schützenhaus soll Solveig Hoenke feierlich verabschiedet werden. Das wird für sie und ihre Schüler ganz sicherlich eine nicht ganz leicht zu verkraftende Stunde.

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