Trompetenspiel macht mutig

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VON REGINA RETZLAF, 30.11.2012
 
 
Etliche Eltern können die Gebühren für die Musikschule nicht bezahlen. Die "Freunde der Musik Querfurt" helfen sozial schwachen Kindern.

Trompetenspiel macht mutig   QUERFURT/MZ. Lilly Marie ist neun und eine begeisterte Trompetenspielerin. Ihre Schwester Lea Theres ist elf, und sie liebt das Cello-Spielen. Um ihre Instrumente irgendwann perfekt zu beherrschen, finanzieren ihnen ihre Eltern den Besuch der Kreismusikschule in Querfurt (Saalekreis). Und das seit drei Jahren. Aber die Finanzierung fällt ihnen nicht leicht.
Die fünf Knirpse aus dem Vitzenburger Kinderhaus bekommen Dank der Unterstützung durch den Förderverein musikalische Früherziehung von der erfahrenen Musikpädagogin Christel Thrun (links). Mit dabei ist Erzieherin Heidrun Friedrich. (FOTO: PETER WÖLK)
 

Als es in diesem Jahr zum ersten Mal einen Anstieg der Gebühren für die Ausbildung um 20 Prozent gab, hätte das für die beiden Mädchen aus Farnstädt eigentlich das Aus bedeutet. "Ich bekomme Hartz IV und meine Frau bekommt Rente. Ihr habe ich vor einiger Zeit eine Niere gespendet. Die Fahrten nach Berlin, wo die Operation stattfand, waren ganz schön teuer. Wir haben noch zwei weitere Kinder, so dass das Geld nicht so locker sitzt", erzählt der 33-jährige Dominik Zilling, der Vater der beiden kleinen Musikerinnen.

Dass Lilly Marie und Lea Theres dennoch auch in diesem Schuljahr weiter in Querfurt unterrichtet werden können, ist dem Förderverein "Freunde der Musik Querfurt" zu danken. Der hat nämlich die Finanzierung übernommen. Neben den beiden kleinen Farnstädterinnen können sich noch 16 weitere Kinder und Jugendliche über eine solche Unterstützung freuen. Auch ihnen zahlt der Verein die Unterrichtsgebühren. "Ich bin dem Verein überaus dankbar für die Unterstützung", sagt André Barczewski, alleinerziehender Vater. Einerseits habe er nur staunen können über die raschen Fortschritte seiner Tochter Jenny am Klavier, andererseits sah er sich nicht in der Lage, diese Ausbildung weiter zu finanzieren. "Aus diesem Konflikt half mir der Förderverein", sagt Barczewski. "Meine Tochter Julienne bekommt nicht nur sehr guten Unterricht. Sie bekommt hier auch die besten menschlichen Werte für ihre Persönlichkeitsentwicklung vermittelt. Nach dem ersten Schock durch die Gebührenerhöhung empfand ich die Unterstützung als riesige Erleichterung. So kann ich meinem Kind die weitere Teilnahme ermöglichen", sagt Barbara Bieda, eine andere Mutter.

"Das können wir aber nur leisten, weil wir das ganze Jahr über nach Sponsoren suchen, die uns unterstützen", so Johanna Zanke, die Vereinsvorsitzende. Seit 1997 gibt es diesen Verein, der heute 160 Mitglieder hat. Sein Ziel ist es, sowohl die soziale als auch die Leistungsstrecke zu fördern - will heißen: Es werden Unterrichtsgebühren für sozial schwache Schüler übernommen und Schüler unterstützt, die mit besonderen Leistungen aufwarten und zum Beispiel an Wettbewerben teilnehmen. Zur Gewinnung von Blechbläser-Nachwuchs wird auch für Interessenten ein halbes Jahr die Gebühr übernommen. Oftmals können die Kinder dann aber nicht weitermachen, weil den Eltern das Geld fehlt. Leider, so Johanna Zanke, sei das immer wieder zu hören. Deshalb stellen immer mehr Eltern den Antrag an den Verein, Unterstützung bei der Finanzierung zu bekommen.

5.200 Euro investiert der Verein in diesem Schuljahr in diese Förderung. "Auch Dank der Spenden beim Neujahrsempfang der Stadt", so Johanna Zanke. Dieses Geld wird zum Beispiel genutzt, um den fünf jüngsten Bewohnern des Kinderhauses Vitzenburg, eines Kinderheimes, musikalische Früherziehung anbieten zu können.

"Arbeit mit Musik tut gut und macht Spaß. Sie stärkt das Selbstbewusstsein, schult die Ausdauer und macht stark", sagt Johanna Zanke. Lilly Marie jedenfalls ist durch das Trompetenspiel aufgeweckter und mutiger geworden. So hat sie sich ganz freiwillig angeboten, beim Weihnachtsmarkt ihrer Grundschule auftreten zu wollen.

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